Gesundheit nur noch gegen Geld?

Gesundheit nur noch gegen Geld?

Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen ihren Versicherten immer weniger Leistungen. Ich habe kürzlich sogar von einem besonders traurigen Fall gehört, wo einer 75jährigen angeblich das künstliche Hüftgelenk aus Altersgründen verweigert wurde. So nach dem Motto „das lohnt sich nicht mehr“. Können sich Gesundheit bald nur noch jüngere Leute mit Geld erlauben? Gibt es auch bei uns bald ein Gesundheitssystem nach US-amerikanischem Vorbild? In diesem Artikel möchte ich diese Themen mal näher beleuchten.

Wann wird in Deutschland die GKV abgesetzt?

Ob und wenn ja, wann die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) abgesetzt wird, darüber kann man nur spekulieren. Gespart wird aber bereits seit längerem an allen möglichen und unmöglichen Ecken.
Als Einstieg in die Thematik hier ein Video aus der ZDF Sendung Frontal21. Man bedenke: diese Reportage wurde bereits vor mehr als 6 Jahren(!) ausgestrahlt…

Krankenversicherung in den USA

In den Vereinigten Staaten gibt es keine gesetzliche Krankenversicherung wie bei uns in Deutschland. Die Gesundheit eines US-Bürgers ist quasi reine Privatsache. Allerdings wurde dort 2010 als Folge einer sehr intensiven Reformdiskussion der sogenannte „Patient Protection and Affordable Care Act“, auch „Obamacare“ genannt, verabschiedet. Somit existiert seit dem Jahr 2014 eine Versicherungspflicht für die meisten US-Amerikaner. Einwohner mit geringem Einkommen erhalten einen Zuschuss zu den Krankenversicherungsbeiträgen vom Staat.

Trotzdem sind immer noch über 45 Millionen Menschen in den USA nicht krankenversichert. Entweder sind sie zu arm, um sich selbst privat versichern zu können, verdienen aber noch zuviel, um Medicaid (sozialstaatliche öffentliche Krankenversicherung für einkommensschwache Amerikaner) in Anspruch nehmen zu können. Viele Bürger werden zudem wegen ihrer Vorerkrankungen erst gar nicht von den Versicherungen angenommen. Ein großer Teil der nichtversicherten will sich die monatlichen Kosten einfach sparen. Sie denken, dass sie auch größere Krankenhausrechnungen aus eigener Kraft bezahlen können oder verlassen sich auf die Notversorgung (EMTALA), wonach Notfallpatienten auch dann behandelt werden müssen, wenn diese nicht versichert sind und sie die Rechnung offensichtlich nicht selbst zahlen können. Bei EMTALA (Emergency Medical Treatment and Labor Act von 1986) machen aber nicht alle Krankenhäuser mit. Patienten laufen also Gefahr, abgewiesen zu werden.

Außerdem gibt es noch „Medicare“, eine sozialstaatliche öffentliche Krankenversicherung für ältere Bürger ab 65 Jahren und Behinderte. Diese wird von 41,4 Millionen Amerikanern in Anspruch genommen.

Wie sieht es aktuell in Deutschland aus?

Bei uns gibt es eine gesetzliche Versicherungspflicht. Die Menschen achten immer mehr auf ihre Gesundheit. Man geht heute auch mit „Wehwehchen“ zum Arzt, die unsere Vorfahren einfach daheim selbst auskuriert oder mit Hausmittelchen behandelt hätten. Außerdem werden wir immer älter. Lag die Lebenserwartung eines Deutschen in den 1970ern Jahren noch bei etwa 70 Jahren, so lag sie 2012 schon bei 80 und wird wohl noch weiter steigen. Das kostet alles eine Menge Geld. Wir leben aber nunmal in einem Sozialstaat. Der Beitrag von gesetzlich Versicherten Arbeitnehmern oder Rentnern richtet sich nach dem Bruttolohn bzw der Bruttorente.

Wer nicht versicherungspflichtig ist, kann sich als gut verdienender Arbeitnehmer ab 54.900 Euro Bruttoeinkommen pro Jahr privat versichern. Beamte und Selbständige müssen eine private Versicherung in Anspruch nehmen. Der Beitrag einer privaten Krankenversicherung richtet sich nach dem Alter des Versicherten und seinen Risikofaktoren. Ein 45jähriger Raucher zahlt beispielsweise deutlich mehr als ein 30jähriger Nichtraucher.

Wie könnte es mit dem Gesundheitssystem bei uns weitergehen?

Es ist schon länger im Gespräch, die PKV abzuschaffen und eine Art einheitliche „Bürgerversicherung“ einzuführen, die sich allerdings am Risiko- und Baukastensystem einer privaten Versicherung orientieren soll. Der Rechtswissenschaftler Hans-Peter Schwintowski war schon im Jahre 2011 der Meinung, dass unser Gesundheitssystem ohne eine solche Einheitsversicherung bald kollabieren werde.

Wenn denn irgendwann so eine Versicherung für alle Realität würde, so gäbe es zwar wohl eine relativ günstige Grundabsicherung für gesunde junge Menschen, ältere Versicherte mit Vorerkrankungen und/oder Lastern wie z.B. Rauchen oder Alkohol müssten deutlich tiefer in die Tasche greifen als heute. Außerdem würde vieles, was heute noch automatisch gesetzlich abgedeckt ist, über Zusatzbausteine den Versicherten mehr kosten.

Das Thema wird uns Versicherte und die Politik sicher noch sehr lange beschäftigen. Schwintowski brachte es in einem Interview der „Wirtschaftswoche“ 2011 so auf den Punkt: „Der Kostendruck ist so gewaltig, dass wir gar nicht anders können. Sonst kollabiert das System. Wenn weiter die Leistungsempfänger die Regeln festlegen – Ärzte, Apotheker, Krankenhäuser und Pharma-Lobbyisten – werden wir die Kosten nicht unter Kontrolle bringen. Nur mit einer einheitlichen Versicherung erreichen wir ein gutes Leistungsniveau bei akzeptablen Kosten.“ (Quelle: WiWo.de)

Bildquelle: Harry Hautumm / pixelio.de

 

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09. August 2015 von Matthias
Kategorien: Gesundheit Allgemein | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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